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Sprachkurse wirken – Bericht vom IIK

Deutschkurs beim IIK

Aus der Initiative für Internationalen Kulturaustausch eine Geschichte, die Hoffnung macht: Für junge Geflüchtete stellt die Möglichkeit, schnell eine schulische oder berufliche Ausbildung zu finden, oft eine große Hürde dar. Umso erfreulicher, wenn es auch mal ganz flott geht. Wie im Fall von Sufian, der schon nach neun Monaten in Deutschland den Sprung auf eine allgemeinbildende Schule geschafft hat.

Sufian ist 19 Jahre alt und besucht bereits seit Anfang August die Deutschkurse der IIK. Sein größter Wunsch ist es, hier in Deutschland sein Abitur nachzuholen und Mathematik zu studieren. Im April 2015 musste Sufian seine Heimat wegen der Bedrohung durch den IS verlassen. Anfang Juni kam er nach Hannover. Sufian war nicht nur einer der ersten Schüler des im August gestarteten Integrationskurses der IIK, sondern auch einer der fleißigsten und verlässlichsten. Nachdem er Anfang Januar bereits seine A1-Prüfung bestanden hatte, begann die Suche nach einer geeigneten Schule. Ein Problem bestand allerdings darin, dass Sufian bereits das 19. Lebensjahr vollendet hatte und somit eine Einschulung in die Sekundarstufe I nicht mehr möglich war. Eine weitere Hürde stellte die Beschaffung von Dokumenten dar, die seinen bisherigen  Schulbesuch im kurdischen Teil des Iraks dokumentieren konnten. Die Heimatstadt Sufians ist durch den Krieg weitestgehend zerstört, der Zugang zu seinen Originalunterlagen dementsprechend stark eingeschränkt.  Glücklicherweise konnten für diese Probleme Lösungen gefunden werden.

Erfolgsgeschichte mit Sufian (19). #refugeeswelcome #hannoverhilft Klick um zu Tweeten

Dank der freundlichen Vermittlung durch Anna-Beisse Munemo entstand der Kontakt zum Gymnasium Lehrte, das im Oktober 2014 eine Sprachlernklasse für Jugendliche aus Krisengebieten ins Leben gerufen hatte. Die Klasse dient als Vorbereitung auf die anschließende Schulzeit im Gymnasium und bietet neben Deutsch und Mathematik auch Fächer wie Englisch und Sport an. Die Schüler werden dabei nicht nur im Rahmen des Sprachförderprogramms unterrichtet, sondern nehmen auch am Unterricht regulärer Klassen teil. Sufian ist mit seiner Klasse sehr glücklich, sagt er, „auch wenn mir das regelmäßige frühe Aufstehen um sechs Uhr morgens noch sehr schwer fällt“.

„Deutsch wird ja nicht nur in Sprachkursen gesprochen“

In den Deutschkursen entwickeln sich mehr und mehr „außerschulische“ Lernformen auf Grundlage gemeinsamer Tätigkeiten. Und das zum Teil mit Langzeitwirkung.

Die Exkursion einer Kursgruppe aus der Posthornstraße in die nahegelegene Stadtteilbibliothek am Lindener Markt hat beispielsweise dazu geführt, dass einige TeilnehmerInnen das dortige Angebot nun regelmäßig nutzen. Die Ausstellung von Benutzerausweisen verlief dabei unkompliziert und unbürokratisch.

Beim Besuch in der nahegelegenen katholischen Gemeinde St. Godehard stand Diakon Langner als Gesprächspartner zur Verfügung. Einige Kursteilnehmer zeigten großes Interesse daran, den Kirchenraum zum Beten zu nutzen. Der Graben zwischen den Religionen scheint an einigen Stellen doch nicht breiter als eine kleine Lindener Nebenstraße zu sein.

Bericht Deutschkurse mit Geflüchteten #hannoverhilft Klick um zu Tweeten

Gemeinsame Einkäufe – zum Beispiel am Dienstag auf dem Lindener Markt – scheinen sich zu einer regelmäßigen Aktivität entwickeln, bei der er es nicht nur um das Einüben einer Alltagstätigkeit geht, sondern sich auch vielfältige soziale Kontakte anbahnen lassen.

Ehrenamtlich helfen: Warum machst Du das eigentlich?

Die Organisation und Entwicklung der Sprachkurse erfordert eine häufige Rücksprache mit allen UnterstützerInnen über die jeweils aktuelle Situation.

Bei unseren Treffen stehen deswegen ganz klar anstehende Veränderungen und Planungen im Vordergrund. Für den Austausch über persönliche Einschätzungen und Gefühle bleibt da wenig Zeit. Um uns nicht gänzlich in diesen ja eher technisch-sachlichen Aspekten zu verlieren, möchten wir gerne häufiger das Gespräch mit unseren UnterstützerInnen über ihre ganz individuelle Motive und Ansichten suchen.

Den Anfang machen wir an dieser Stelle mit Ruth, die in ihrem Brotberuf als Steuerberaterin tätig ist. Die erste Frage an Ruth, zielte dann auch der Ankündigung gemäß gleich auf ihre ganz persönlichen Gründe, Geflüchtete beim Erlernen der deutschen Sprache zu unterstützen. Bereitwillig schildert Ruth ihre Beweggründe, die bei ihr allerdings nicht nur in der unmittelbaren Gegenwart zu suchen sind.

Seit ihrer frühesten Jugend beschäftigte sich Ruth mit der Verstrickung ihrer Elterngeneration in die Geschehnisse der Nazizeit. Die Frage nach Verantwortung und Mitschuld ließ sie seitdem nicht mehr los.

Aus der dauerhaften Auseinandersetzung mit diesem Thema entstand eine generelle Sensibilität für das Ge- oder Misslingen zwischenmenschlicher Solidarität. So verfolgte Ruth die Ungerechtigkeit und das Leid der Flüchtlinge schon eine ganze Weile mit großem Unbehagen, als die Berichte über mehr als siebzig in einem LKW erstickte Menschen bei ihr das Fass zum Überlaufen brachten.

Deutschkurs in der Posthornstraße

„Da war bei mir der Punkt erreicht, an dem ich nicht mehr tatenlos zusehen wollte.“ sagt Ruth und man merkt ihr ihre tiefe Betroffenheit deutlich an.

Ruth: Ich wollte nicht mehr tatenlos zusehen. #hannoverhilft #refugeeswelcome Klick um zu Tweeten

Ohne weiter zu zögern recherchierte sie die Möglichkeiten aktiver Unterstützung und stieß dabei in einem Artikel der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung auf das Sprachkursangebot der IIK.

Schon kurze Zeit später fand sich Ruth in den Räumen der Warenannahme im Kulturzentrum Faust mit einem bunt zusammengewürfelten Haufen Geflüchteter aus verschiedenen Länder wieder und musste ihren eigenen Weg in dieser für sie ganz ungewohnten Situation finden.

Auf die Frage, wie sie unter diesen heterogenen Umständen das Verhältnis zu ihren Schülern gestaltet hat, erklärte Ruth, dass eine bevormundende Distanz nicht ihre Sache sei und sie einen Austausch auf Augenhöhe für besonders wichtig hält. Sie sei auch zu sehr mit dem Herzen bei der Sache, um ein stures Lernprogramm durchzuziehen und die emotionale Verfassung einzelner Teilnehmer einfach zu übergehen. Weshalb sie der meist unvermittelte Kontaktabbruch nach Ende eines Kurses dann aber auch ein wenig schmerze.

„Ich frage mich schon oft, was aus der- oder demjenigen wird, wenn er aus meinem Blickfeld verschwindet. Mir ist aber auch klar, dass ich es in den meisten Fällen nie erfahren werde. Umso schöner, wenn Ausnahmen die Regel bestätigen.“

Arabisch lernen bei der IIK

Seit Anfang März richten wir auch einen kleinen Arabischkurs aus. Es ist zwar erst eine Art Testballon, aber wir sind gute Dinge, dass sich diese Sparte ausbauen lässt.

Sprachkurs mal andersrum: Arabisch lernen? #hannoverhilft #refugeeswelcome Klick um zu Tweeten

Für die meisten TeilnehmerInnen ist es die erste Berührung mit der arabischen Sprache. Unter Ihnen befinden sich auch viele, die sonst die Rolle der Lehrenden ausfüllen. Nicht einfach, eine Sprache von Grund auf zu lernen, ohne zumindest auf vertraute Schriftzeichen zurückgreifen zu können. Trotzdem haben alle viel Spaß bei der Sache helfen sich gegenseitig.

Quelle Text und Bilder: IIK

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