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Macht die HAZ jetzt Hatz auf Flüchtlinge?

Perlen des Lokaljournalismus

Leistet sich die HAZ tatsächlich in derselben Ausgabe gleich vier kapitale Schnitzer auf einmal? Darf man da noch von unglücklichen Verkettungen und Zufällen sprechen?


Schon auf der Titelseite am 29.10.2015 bedient die HAZ die Vorurteile „besorgter Bürger“ aufs Beste. „Jetzt wird es den ‚Krimigranten‘ endlich an den Kragen gehen.“

Im Lokalteil Hannover wird der Anreisser vom Titel nochmal geringfügig variiert. Der flüchtige Betrachter, der „besorgte Bürger“ sieht sich sofort in seinen Vorurteilen bestätigt. Vor allem aber suggeriert die Überschrift, dass von Flüchtlingen eine besondere oder besonders hohe Kriminalität ausginge. Das ist nicht der Fall und wurde auch schon oft dokumentiert. Mit ein klein wenig Recherche hätte ein professioneller Journalist das herausfinden können. Aber aller schlechten Dinge sind drei und vier:

Im Wirtschaftsteil holt die Redaktion noch mal zum Doppelschlag aus: Die Arbeitslosenzahlen werden steigen und die Flüchtlinge haben Schuld. Die Aussichten der Wirtschaft werden schlechter und die Flüchtlinge haben schon wieder Schuld. Das ist es, was diese Zeitung auf den ersten Blick vermittelt.

Dass der Inhalt dann in eine etwas andere Richtung geht, das bekommt der flüchtige Leser gar nicht mehr mit. Vor allem: Diese Überschriften erzeugen die Stimmung und Erwartungshaltung, mit der man einen Artikel aufnimmt. Und bei diesen Überschriften, und dieser Häufung, wird es keine offene und positive Haltung sein. Mit solchen Überschriften wird Angst erzeugt. Zufall?

Titelbild Generalanzeiger via mediapreneure.de

Damit reiht sich die HAZ in eine Riege journalistischter Fehlleistungen ein. Im September vergisst der Generalanzeiger sein Layout zu kontrollieren und platziert Gas neben Asyl. Weitere Flüchtlinge kämen in die Region und schon bald soll das Gas wieder strömen. Da muss man sich schon fragen, wer heutzutage die Zeitungen eigentlich macht und verantwortet. Ausgebildete Journalisten wohl eher nicht. So sieht es dann aus, wenn am falschen Ende gespart wird: An der Bildung und am Personal.

Titelbild Tagesspiegel via mediapreneure.de

Und Anfang diesen Monats leistet sich dann der Tagesspiegel einen kapitalen Schnitzer. Die „Flüchtlingskrise“ wird zur Chefsache erklärt und das Bild zeigt, wer hier der „Chef“ sein könnte. Dabei muss man schon den Ausdruck „Flüchtlingskrise“ kritisch hinterfragen, weil damit zugleich eine Schuldzuweisung vorgenommen wird. Tatsächlich aber entstehen die meisten Probleme in der Bewältigung des Andrangs durch Bürokratieversagen.

Immerhin waren die letzten beiden Pannen noch bis zu einem gewissen Maß unfreiwillig komisch. Die Blätter zogen Hohn und Spott auf sich. Das sollte den Redaktionen eine Lehre gewesen sein. Und der Tagesspiegel hat sich sofort zu seinem Fehler bekannt und entschuldigt.

Die HAZ will aber scheinbar den Beweis antreten, dass man auch mit mehr Text, weniger Bildern und höheren Preisen durchaus das Niveau von Bild und Focus erreichen kann.

Wie man journalistisch richtige Überschriften macht, kann man bei den Mediapreneuren nachlesen, von denen auch die Bilder der Pannen bei Generalanzeiger und Tagesspiegel stammen.

Update

Warum die HAZ nicht sensibler mit diesem Thema umgeht, bleibt ein Rätsel. Dabei fördert schon die einfachste Suche mit einer handelsüblichen Suchmaschine die Fakten zutage. Hier beginnt die Dokumentation zu falschen Vorurteilen gegenüber Flüchtlingen.

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