Beobachtet Hintergrundinfos

Erfahrungsbericht 1 Jahr Refugee Law Clinic Hannover

ZWISCHEN QUALITÄT UND QUANTITÄT

Im Herbst 2015 haben wir als Refugee Law Clinic Hannover e.V unsere Beratungstätigkeit aufgenommen. In diesem Newsletter berichten wir über aktuelle Fälle und Probleme, mit denen sich der Verein momentan beschäftigen muss.

STATISTIK

Nach fast einem Jahr aktiver Beratungstätigkeit haben wir viele Erfahrungen und Akten sammeln können. Gerade konnten wir unsere 200 Akte anlegen. Davon sind ca. 1/4 der Fälle bereits abgeschlossen. Ebenfalls erledigen  sich weitere ca. 1/4 der Fälle vorzeizig, weil sich der oder die Mandant*in nicht zurückgemeldet hat oder der Fall an einen Rechtsanwalt abgegeben wurde. Ca. 100 Akten sind gerade in Bearbeitung. Oftmals müssen die Teams jedoch lange auf eine Antwort vom BAMF, der Ausländerbehörde oder einer deutschen Botschaft im Ausland warten, bevor sie weiterarbeiten können.
Trotz dieser hohen Mandantenzahl ist es uns wichtig, die Akten ordentlich und gewissenhaft zu führen. Fehlberatungen wären für uns als auch für die Mandanten eine Katastrophe. In unserer  gemeinsamen Projektsoftware werden die Akten von der Mandatsverwaltung digital angelegt. Die 33 Teams, die von uns im Asyl- und Ausländerrecht bereits ausgebildet wurden, verwalten ihre Akten selbständig und können bei Problemen/Fragen direkt mit der Mandatsverwaltung kommunizieren.

Diese hilft dann mit ihrer Expertise aus oder schaltet einen Rechtsanwalt aus unserem Beirat dazu. Um dem Datenschutz Genüge zu tun, müssen alle Berater*innen eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben. Nur so ist es uns möglich zum einen den Beratern*innen die Möglichkeit zu geben aus anderen Akten zu lernen und zum anderen für die Mandanten einen umfassenden Datenschutz zu garantieren.

HÄUFIGE ANFRAGEN

Die einzelnen Themenschwerpunkte haben sich durch das Asylpaket II verlagert. Zu Beginn unserer Tätigkeit bildete die Familienzusammenführungen unsere Hauptaufgabe. Jedoch wurde der Familiennachzug für Personen mit subsidiären Schutz bis zum 16. März 2018 ausgesetzt. Laut der Asylstatistik des BAMF vom April 2016 stieg die Zahl der subsidiären Schutzberechtigten aus Syrien auf 16 Prozent. Im Jahr 2015 bekamen nur 0,1 Prozent der Fälle subsidiären Schutz und in 95 Prozent der Fälle den Flüchtlingsstatus zuerkannt (Aslymagazin 6/2016).

Aus diesem Grund steht nun für Betroffene an erster Stelle die Klage gegen diesen Schutzstatus, bevor der Familiennachzug eingeleitet werden kann.
Zudem erhalten wir auch viele Anfragen auf eine Vorbereitung zur Anhörung oder zur Beschleunigung des Verfahrens. Wir haben Mandant*innen, die fast ein Jahr auf ihre Anhörung warten müssen.

Aufgrund der hohen Nachfrage mussten wir unseren Tätigkeitskreis stark eingrenzen. Auch aus Haftungsgründen war es für uns sinnvoll unsere Tätigkeit auf die rechtliche Beratung und nicht auf das Erheben von Klagen zu beschränken. Diese Aufgaben überlassen wir den Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten. Dadurch entsteht von vornherein kein Konkurrenzverhätnis.

EIN VEREIN IM WANDEL

In letzter Zeit bekommen wir viele Anfragen von Organisationen, die ihren Ehrenamtlichen oder Sozialarbeitern*innen einen Überblick im Asyl- und Ausländerrecht geben wollen. In unseren Vorträgen vor Ort erklären wir ihnen dann den Unterschied zwischen BüMA und Aufenthaltserstattung oder geben einen kleinen Einblick über Arbeitsmöglichkeiten, der Familienzusammenführung und dem Dublin-Verfahren. Diesen Schwerpunkt der Fortbildung wollen wir gerne vertiefen. Um zum einen unsere Berater*innen zu Entlasten und zum anderen eine flächendeckende Aufklärung der Geflüchteten zu gewährleisten.

AUSBLICK

Im Oktober bieten wir wieder ein Ausbildungsseminar an. Genauere Informationen erhaltet ihr auf unserem Infoabend am 27.9.2016 um 18:00 Uhr im Raum 013 oder auf unsere Homepage/Facebook. Ebenfalls bereitet unsere Ausbildungsplanungsgruppe bereits die Ringvorlesungen für das kommende Wintersemester  vor.  So können wir jeden Interessenten im Asyl- und Ausländerrecht fortbilden und mehr geflüchtete Menschen unterstützen. Wir suchen auch immer wieder Ehrenamtliche, die bei der Vereinsarbeit mitmachen wollen. Meldet euch einfach!

Liebe Grüße,
der Vorstand:
Lukas Schrader, Sandra Horn, Patrick Otto

und der Referent*innenkreis:
Dennis Peters, Mirko Widdascheck, Luise von Wolffradt, Niclas Stock, Oliver Islam, Henriette Lange, Lukas Panjuk, Katrin Sass und Tobias Wundram

Quelle Bild und Text: Refugee Law Clinic Hannover e.V.

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