Beobachtet Sprachkurse

Aus der Sprachkurs-Praxis beim IIK

Engagement und Ehrenamt: das IIK stellt seine UnterstützerInnen vor. Heute: Das Dienstags-Team der Warenannahme: Larissa, Alisa, Hannah und Anna (und Zora).

Seit etwas mehr als einem Jahr finden drei Mal wöchentlich IIK-Deutschkurse für Geflüchtete in der Warenannahme der Faust statt. Und ob Ferien oder Feiertag, fast jeden Dienstag leiten Alisa, Anna, Larissa und Hannah den Kurs mit bis zu 20 Schülern. Alle vier sind Mitte 20 und stecken noch mitten im Lehramtsstudium und nehmen sich – neben Studium und Jobs – die Zeit, um Geflüchteten und Migranten das Lesen und Schreiben beizubringen und ihnen die ersten Grundlagen der komplizierten deutschen Sprache zu vermitteln. „Jemandem zu erklären, warum es plötzlich ‚das Kleid der Frau‘, wenn man kurz vorher gerade gesagt hat, dass es ja ‚die Frau‘ ist, ist manchmal nicht ganz einfach“, sagt Anna, die im November letzten Jahres mit dem ehrenamtlichen Deutschunterricht begonnen hat. In den ersten Monaten haben Anna und Alisa, die nun schon seit einem Jahr dabei ist, noch dreimal wöchentlich einen eigenen Kurs geleitet, bevor die Kurse in der Warenannahme im Frühjahr umstrukturiert wurden. Seit dem sind sie im „Team Dienstag“, während Donnerstag und Freitag andere Ehrenamtliche unterrichten. Verstärkung erhielten Anna und Alisa dann im Mai, als Hannah und Larissa dazukamen. Zu viert können sie den Teilnehmern noch besser gerecht werden: „Wir haben teilweise viele verschiedene Lernstände. Menschen, die kaum Lesen und Schreiben können, dann welche, die schon etwas weiter sind und noch Fortgeschrittene, die schon auf dem A1-Level sind. Und so können wir die Teilnehmer in Kleingruppen aufteilen, sodass jeder mitkommt und gleichzeitig niemand unterfordert wird“, erzählt Larissa.

Wenn man sich mit den Vieren unterhält, wird schnell klar, warum sie sich hier engagieren: „Letztendlich einfach nur, weil es Spaß macht“, sagt Hannah und erklärt: „Man fängt vielleicht an, weil man helfen will, aber ich glaube man bleibt dabei, weil es Freude bringt.“ Die Schüler kommen freiwillig in die Kurse der IIK, es gibt keine Bedingungen. Und Anna ergänzt: „Das ist das Tolle daran. Die Leute kommen nur hierher, weil sie Lust haben Deutsch zu lernen, niemand zwingt sie dazu. Und natürlich stimmt bei uns auch einfach die Teamchemie.“ Gerade weil es sich nicht um verpflichtende Kurse handelt, kommt es dennoch häufiger vor, dass Schüler plötzlich nicht mehr zum Kurs erscheinen, was für alle Vier der vielleicht einzige negative Aspekt ist: „Man lernt die Menschen bei uns ja auch persönlich kennen, erfährt ihre Geschichten und gewinnt sie lieb. Wenn sie dann nicht mehr kommen, weiß man oft nicht, warum dies so ist: Sind sie in Integrationskursen oder anderen Maßnahmen untergekommen oder krank oder wurden sie sogar abgeschoben? Oft erfahren wir das leider nicht.“ Generell ist die Fluktuation in der Schülergruppe recht hoch, da der Kurs nur eine Starthilfe darstellt und die Teilnehmer früher oder später zu anderen Kursangeboten vermittelt werden. Dann sagt ein Schüler nach seiner letzten Stunde auch schon mal herzzerreißend: „Tschüss, bis immer!“, wie Alisa erzählt.

Die angehenden Lehrerinnen beklagen sich aber nicht, sondern stellen sich der Herausforderung immer wieder neue Schüler in die Gruppe zu integrieren. Und sie genießen die Freiheiten, die sie in der Gestaltung des Kurses haben. Dann
wird statt Akkusativ und Verbkonjugation auch mal was anderes gemacht: etwa gemeinsam einkaufen gehen oder zusammen deutschsprachige Lieder singen. Bei letzterem ist übrigens dieses (künstlerisch wertvolle) Tafelbild zu „Haus am See“ von Peter Fox entstanden: „Bis immer“ werden die vier den Deutschkurs vermutlich nicht machen können,
aber hoffentlich bleiben sie lange wie möglich.

Neuer Intensivkurs

Seit Anfang September gibt die IIK wieder einen deutsch- Intensivkurs für drei Minderjährige Schüler aus Afghanistan und Eritrea. Die schulpflichtigen Jugendlichen sind ohne Familie nach Deutschland gekommen und besuchen seit Ende August eine Schule im Landkreis Hannover. Leider fehlt es ihnen jedoch teilweise am Wissen über die deutsche Sprache
sowie die lateinische Schrift. Darum entschieden wir uns dafür, sich den drei Schülern anzunehmen und zumindest zweimal die Woche einen intensiv-Alphabetisierungskurs zu starten. „Natürlich sind die drei nicht alle auf einem Level und es fehlt den Schülern auf Grund des jungen Alters ab und zu das Verständnis füreinander, dennoch geben sie sich Mühe und scheinen auch Spaß im Unterricht zu haben“, so Tafi, der sich neben seine Ausbildung bei der IIK ehrenamtlich als Deutschlehrer engagiert.

Quelle: Text und Bilder Initiative für Internationalen Kulturaustausch

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